Freitag, 16. Juli 2021

Etappe 10: Ende des nördlichen GR20


Man gewöhnt sich an alles. Trotz Sturm habe ich einigermaßen gut geschlafen, die Sachen sind weiterhin trocken. Mit Vorfreude auf das Frühstück packe ich alles zusammen und gehe mit Mark zum Frühstück: für jeden ein halbes Baguette, Marmelade, Kaffee. Los geht's! Zunächst 700 m Abstieg, danach 1200 m Abstieg nach Vizzavona. Die Knie schmerzen schon beim Gedanken daran. Hilft nix, ran an die Tour. Der Aufstieg geht gut, der Abstieg ist so anstrengend wie erwartet.Erfreulicherweise werden wir mit Sonnenschein beglückt, die Wolken hängen an den Gipfeln fest. Wir kommen am Monte d'Oro vorbei, an dem früher Gold abgebaut wurde.
Der Abstieg von 1200 m geht wieder ordentlich in die Knie. Hoffentlich erholen die sich bis morgen.
Jede Menge Badestellen liegen auch heute wieder am Weg. Eine Enttäuschung erwartet uns am Refuge in Vizzavona: Die Restaurants haben die Küche geschlossen, wir müssen noch selber kochen. Den Abschluss wird die Flasche "Monte Cinto", vin rouge, bilden, mit dem wir den Abschluss des Nortteils feiern.

Donnerstag, 15. Juli 2021

Etappe 9: Nach der Sturmnacht

Was für eine Nacht! Weil es kalt und regnerisch ist, kriechen wir in die Zelte, Mark tauscht sein Biwak mit einem Mietzelz - eine weise Entscheidung. Die ganze Nacht werden wir von Sturmböen und Regenprasseln heimgesucht, an Schlaf ist nicht zu denken. Immer wieder stütze ich die Seitenwände des Zelts mit armen und Händen, damit der Wind das Zelt nicht zerdrückt bzw umwirft. Die Pläne hält dem Wasserdruck nicht ganz stand, es rieselt feiner Wasserdampf auf mich herab. Außerdem drückt es Regenwasser seitlich in das Unterzelt hinein, am Morgen sind Schlafsack und meine Klamotten nass. Die Blase treibt mich nach draußen und ich werde von Böen umgeworfen. Es hilft nichts, ich packe die nassen Sachen ein, stopfe bei Windgeschwindigkeiten von 80 km/h das Zelt in den Rucksack. Ich gebe Mark Bescheid, der mit mir los geht. Es steht zunächst ein langer Abstieg in den Nebel und gegen den Wind bevor. Nach zwei Stunden lichtet es auf und der Regen lässt nach. In einer Bergerie stärken wir uns mit Baguette, Käse und Kaffee. 
Am Nachmittag kommen wir andere Bergerie de l'Onda an, ein schöner Campingplatz erwartet uns. Innerhalb von zwei Stunden haben wir alle Sachen auf der Wiese verteilt, getrocknet, Zelt aufgebaut, Essen für den Abend sowie Frühstück bestellt.
Amelie und Anni treffen ein, sie haben bis Mittag in Zelt gehockt und das Ende des Sturms abgewartet.
Das Abendmenü ist super: Gemüsesuppe, veg Lasagne, Brot mit Käse und Mousse au chocolate!
Leider kommt wieder Wind auf, die zweite Sturmnacht kommt. Zum Glück ohne Regen.

Etappe 8: Tolles Panorama, leider nur Nebel.

Die achte Etappe soll wegen der Aussichten ein Highlight sein. Außerdem die letzte mit Kletterstellen und sehr anstrengend. Belohnt werden sollen wir mit Blicken auf hoch gelegene Bergseen und die Rotonda-Bergkette. Beim Aufstieg sehen wir schon die Nebelschwaden und Wolken, die mit dem aufkommenden Wind das Tal hinauf gepustet werden. Tja, die Aussicht der nächsten Stunden beschränkt sich auf weißen Nebel. Zum Glück reißt die Wolkendecke kurz auf, uns ist ein Blick auf einen der Seen vergönnt. Die Strecke ist schwer, wir müssen viele Kletterstellen und Schneefelder überqueren. Am Ende kommen wir müde am Refuge an und werden von Anni und Amelie begrüßt, die, wann immer möglich, einen schönen Stellplatz für uns reservieren.
Fotos folgen später.

Etappe 7: Großartige Aussichten und Landschaften

Felsen adieu, grüne Landschaften willkommen. Wir sind im Zentrum der Korsischen Bergen angekommen, begegnen bizarren, vom Wind geformten Bäumen und kommen schließlich zum Lac de Nino, einem sumpfigen, großen See auf 1700 m Höhe. Während wir die Landschaft auf uns wirken lassen, kommen uns Truppen der Fremdenlegion im Gänsemarsch entgegen. Wie wir erfahren, müssen die armen Kerle den GR20 in 8 Tagen abmarschieren. 
Mich ärgert sehr, dass mein Smartphone nicht funktioniert. Ich werde später Fotos von Mark einfügen müssen.
Wir übernachten am Refuge Manganu, wo wir auf viele Wanderer treffen, auch Deutsche, die Tageswanderungen unternehmen oder für eine Nacht auf der Hütte bleiben. Dann es früh in den Schlafsack, es steht noch einmal eine lange, anstrende Etappe mit Kletterstellen bevor.

Etappe 5+6: Erholungstour, zwei Etappen zusammengefasst

Nach einer Nacht mit Aussicht auf einen fantastischen Sternenhimmel, leider sehr windig, werde ich von den Aufbruchsgeräuschen der anderen geweckt. Beim Schauen auf die Uhrzeit stelle ich fest, dass mein Fairphone ausgegangen ist und somit der Wecker ausfiel. Müde schäle ich mich aus dem Schlafsack, wecke Mark, räume den Kram zusammen. Katzenwäsche, Zähne putzen, Wasser auffüllen, dann geht's los. Nach 30 Minuten kommen wir zur Bergerie de Ballon, wo wir ein Korsisches Käseomelette zum Frühstück verspeisen. Gestärkt genießen wir eine wunderbar erholsame Wanderung - so jedenfalls steht's im Buch. In Wirklichkeit ist es doch etwas anstrengender, nichtsdestotrotz landschaftlich ein Traum. Nach einem Sattel öffnet sich ein sanft geschwungenes, begrüntes Tal, mit fast alpenähnlichem Charakter. Ein über runden Steinen dahinplätschernder Bach lädt mit klarem Wasser zum Anhalten und Abkühlen ein. Am sonnigen Nachmittag liegen die Temperaturen bei angenehmen 28 Grad.
Abends schaltet sich mein Smartphone ab und lässt sich trotz geladenen Akkus nicht mehr länger als zwei Minuten starten. Heute, zwei Tage später, geht es wieder 🤷.
Ich kann also erst jetzt weiter schreiben.
Am Ende der Etappe erwartet uns ein großer Campingplatz mit einem Hotelrestaurant nebenan. Diese Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen und machen uns zusammen mit Amelie und Anni einen schönen Abend.

Sonntag, 11. Juli 2021

Etappe 4: Die Herausforderung

Nach einem erholsamen Ruhetag erwartet uns die schwerste, also die Königsetappe von Haut Asco zum Refugees Tighiettu, die wir mit Respekt antreten. Uns erwarten ca.1300 m Auf- und 1000 m Abstieg. Meine Vorräte habe ich auf ein Mindestmaß reduziert, damit ich nicht unnötiges Gewicht schleppen muss. Mit den ca. 3 l Wasser sind es trotzdem noch ungefähr 14/15 kg.
Als wir um Viertel nach fünf losgehen fühle ich mich gut erholt. Die 1000 m Aufstieg schaffen wir am Vormittag, genießen den Ausblick bis zum Meer, beide Küsten sind zu sehen. Wir haben den höchsten Punkt des GR20 erreicht, ca 2600 m, was uns uns auch den besten Weitblick bietet. Den zweistündigen Abstecher zum Monte Cinto schenke ich mir, weil ich an meine Knie beim folgenden Abstieg denke. Der wird auch richtig hart, meine Knie tun beide weh, als ich um 15 Uhr erschöpft am Refuge Tighiettu ankomme und in Windeseile die letzten Lagerplätze für uns sichere. Ich beschließe, heute kein Zelt aufzubauen und so im Freien zu schlafen. Die Luft ist sehr trocken und Regen wird es auch nicht geben.
Es war haute die anstrengendste, aber auch landschaftlich traumhafte Strecke.

Donnerstag, 8. Juli 2021

Etappe 3: Müde Beine

Refuge der Carozzu - Haut-Asco.
Aufstieg 800 m, Abstieg 660 m.
4:30 Uhr ist unsere Standardzeit geworden, es herrscht leise Betriebsamkeit, Stirnlampen spotten herum, Zelte werden eingepackt. Heute setzen wir uns zum Frühstück mit Annie und Amelie zusammen. Wer mich kennt, weiß, dass ich morgens eher schweigsam bin, besonders vor dem ersten Kaffee. Umso mehr bin ich erfreut, dass Amelie schon gute Stimmung ausstrahlt. Um 6 setzen uns in Bewegung und kommen schnell zur Hängebrücke, nach der sich der Weg kontinuierlich, häufig über Felsplatten,  ein schönes Tal hinauf windet.
Ich merke noch etwas Müdigkeit in den Beinen, die sich zum Glück wieder verflüchtigt. Später, beim steilen Abstieg,, meldet sie sich zurück.
Auch heute reihen sich schöne Ausblicke aneinander, die durch ein Spiel von Wolken und Nebel ergänzt werden.  Ich bin einfach froh, mit Mark hier sein zu können. Nach fast drei Jahren hat es endlich geklappt. Der heutige Weg ist wieder mitein paar Klettereinlagen gespickt, die mir echt Spaß machen. Am Abend kommen wir in den Genuss, ein Restaurant aufsuchen zu dürfen - welch ein Luxus nach den letzten beiden Hütten. Der fade Beigeschmack sind die Autos, die Skiliftanlage und die vielen Leute. Die letzten Tage habe ich den Umstand sehr genossen, dass alle Anwesenden zu Fuß kommen und weder Straßen noch Stromleitungen oder Windkraftanlagen die Landschaft bestimmen. Es ist ursprünglich und beeindruckend. Die ersten drei schweren Etappen liegen hinter, eine sehr anspruchsvolle 8 Stunden-Tour vor uns. Wir beschließen, einen Ruhetag einzulegen. 

Etappe 2: Korsischen Schönheiten

Refuge d'Ortu di u Piobbu - Refuge de Carozzu.
Aufstieg 780 m, Abstieg 1100 m.

Ameisen soweit das Auge reicht. Im Stirnlampenschein packe ich alles ein, vermutlich werde ich vielen Ameisen eine Fernreise ermöglichen.
Heute gibt's in der 'Bushkitchen' Müsli und einen Kaffee vor dem Abmarsch, letzteren trinken wir zusammen mit A&A zusammen. Die Trekkinggemeinde macht sich auf den Weg, bei der Trinkwasserquelle reihen sich alle ein. 
Heute gefällt mir der Weg noch besser! Uralte Pinien, Felsformationen, verblocktes Felsgelände dann wieder Pinienwald. Das allerbeste ist, dass ich den Aufstieg ohne Probleme bewältige. Keine Blase, kein Muskelkater, so macht es richtig Spaß.
Nach halber Strecke haben wir die 2000er Marke erreicht und werden mit herrlichen Ausblicken belohnt. M Knie meldet sich zu Wort: "mach Mal Pause". Das wird ihm nicht gegönnt, denn auf der zweiten Hälfte der Tour gibt es einige Kletterstellen zu überwinden. Schön, richtig schön, doch die 14 kg auf dem Rücken behindern enorm.14:45 Uhr bin ich schließlich am Bocca inumminata (1865m) angekommen. Jetzt folgt "nur noch" der Abstieg zur Hütte.
Der dauert dann noch 2 h Std durch Geröll und steil verblocktes Gelände.
Um 18 Uhr kommen wir dann rattenfertig am Refuge Caruzzo an.
Heute haben wir keine Lust mehr auf kochen und gönnen uns ein Repas der Hütte. Nach Duschen und waschen trinken wir noch einen pichet von rouge, genießen den Sonnenuntergang und gehen ab in die Kiste.

Mittwoch, 7. Juli 2021

Etappe 1. Aller Anfang ist schwer und schön

Gite Municipal Calenzana, Camping - Refuge d'Ortu die U Piobbu.
Aufstieg 1360 m, Abstieg nicht nennenswert.
4:30 Uhr meldet sich der Wecker. Mark ist schon auf dem Weg zur Dusche. In einigen Zelten brennt Licht, die meisten bereiten den Aufbruch vor. Sobald es hell wird, wollen auch wir auf dem Weg sein, damit wir den größten Teil des Anstiegs um 1500 Hm in Schatten und Kühle hinter uns bringen können. Im Spar haben wir am Vorabend Baguette und Käse eingekauft was wir nach zwei Stunden Wandern verzehren. Die ganze Zeit gibt es schöne Ausblicke, die zum Stehenbleiben animieren.

Bis wir um 16 Uhr ankommen, legen wir viele Pausen ein, einerseits um die Ausblicke zu genießen, andererseits um die Strecke entspannt anzugehen.
Kurz vor der Hütte stoßen wir auf einen Franzosen, der zunächst von Weg angekommen war, zwei Stunden zurück lief und nun ohne Wasser nicht mehr weiterkam. Ich konnte ihm den Rest meines Wasservorrats geben, sodass er mit uns bis zur Hütte gehen konnte. Dort ist reger Betrieb und wir finden nur noch schräge, kleine Schlafplätze. Zum Abschluss des Tages gönnten wir uns einen Wein und schnacken nett mit Amelie und Anni, die im gleichen Zeitraum den GR20 laufen.

Montag, 5. Juli 2021

Start in Luciana bei Bastia

Der Start der Tour klappt schon mal prima. Ein ruhiger Flug, auf dem wir erstmal ein ausführliches Corona-
Formular für Frankreich ausfüllen müssen, und anschließend ein kurzer Fußweg führt uns zur 'Auberge les Oliviers', wo wir auf dem idyllischen Innenhof ein korsischen Menü genießen dürfen. Da niemand Englisch spricht, muss ich radebrechend nach dem Bahnhof und den Zügen nach Calvi fragen. Die Wirtin bringt uns schließlich zum Bahnhof, also muss es wohl irgendwie geklappt haben. Sonne und Wärme lassen Urlaubsfeeling aufkommen. 9:08 Uhr fährt der Zug ab und bringt uns bis 11:39 Uhr nach Calvi. 
Bahnhof von Casamozza
In Calvi ist der Tourismus schon voll angelaufen, die Geschäfte sind alle geöffnet. Im Super-U finde ich die Schraubgaskartusche für meinen Minikocher, womit die Kaffeeversorgung für die Berge gesichert ist. Der Bus nach Calenzana ist auch schnell gefunden und es bleibt uns noch Zeit für Baguette, Frommage und Americano 😎 im Hafen von Calvi. So langsam wechsle ich in den Urlaubsmodus.
Hafen von Calvi

Samstag, 3. Juli 2021

Gr20 - auf nach Korsika

Endlich geht's los!
Nachdem Mark und ich unseren Plan schon zweimal verschieben mussten, können wir in diesem Jahr 2021 endlich durchstarten. Wir fliegen von FRA nach Bastia, von dort geht's mit dem Zug nach Calvi, dann mal schauen wie wir nach Calenzana kommen, wo der Trail beginnt.
Ich halte euch auf dem Laufenden.

Montag, 11. November 2019

Back in Town

Nach 90 Tagen auf dem Rad und 3 Tagen in Bus und Bahn bin ich nun wieder Daheim.
Voll mit Eindrücken werde ich nun einige Zeit benötigen, um die Fotos zu sichten, auszusortieren und das ein oder andere aufzuarbeiten. Anschließend wird es sicher ein paar Abende geben, an denen wir Fotos zeigen und erzählen können. Meldet euch einfach bei mir!

Montag, 4. November 2019

Die Ankunft in Lissabon kostete mich einige Nerven. Nach der Überfahrt mit der Fähre waren weder Komoot noch Google oder Mapsme in der Lage, mich fahrradgerecht zum Campingplatz zu navigieren. Die Hügel mit teils heftigen Anstiegen kamen dazu. Entnervt und nass, es hatte auch noch einen Schauer gegeben, kam ich schließlich am CP an, um festzustellen, dass einige der für Zelte vorgesehenen Plätze von Obdachlosen besetzt waren. Zahlreichen weiteren begegnete ich in den folgenden Tagen. Sie hausen unter Brücken, in Zelten, Verschlägen und Hauseingängen.
Für die darauffolgenden Tage hatte ich glücklicherweise ein bezahlbares Hotel im Zentrum gefunden, von dem aus ich die beeindruckend schönen Seiten der Stadt erkundete.
Lisboa ist eine kulturell und historisch interessante, aber auch chaotische Stadt. Am langen Wochende zu Allerheiligen überschwemmten Touristen die Stadt. Das Gute daran: zB können sich viele vegetarische Restaurants halten, von denen ich täglich ein anderes probierte.
Natürlich durfte ein Besuch in einer Boulderhalle nicht fehlen. Klein, aber fein, das Vertigo, jedoch nicht vergleichbar mit den größeren deutschen Hallen. Für eine Stadt mit einer halben Million Einwohnern dürftig. Der Hype rund ums Klettern ist hier noch nicht angekommen.
Zeitgleich organisierte ich die Rückreise, die ich in Etappen absolvieren werde. Zunächst mit Flixbus nach Salamanca, danach nach Bayonne, nach Tours usw.
Von meiner ersten Flixbusfahrt bin ich positiv überrascht. Von der Suche über die Buchung zur Fahrt funktioniert alles prima. So ganz anders, als ich es von der Bahn kenne.
So um den 8./9.11. herum werde ich dann also wieder in Paderborn eintrudeln.